MbOs (Zielvereinbarungen) – Wunderwaffe der Mitarbeitersteuerung oder zahnloser Tiger

Zielvereinbarungen

Kaum eine Organisation und kaum ein Unternehmen kommt heute noch ohne Zielvereinbarungen oder MbOs (Management by Objectives) aus. Damit soll eine einfachere Steuerung der Mitarbeiter und die Ausrichtung ihrer Bemühungen und Aktivitäten auf die strategischen Unternehmensziele erreicht werden. Der verwendete Mechanismus ist einfach, zielkonformes Verhalten wird belohnt und Abweichungen werden bestraft. So soll eine intrinsische Motivation für die Umsetzung der Unternehmensziele aufgebaut werden.

Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • Ausrichtung auf Unternehmensziele
  • Verringerter Managementaufwand (Global- statt Mikrosteuerung)
  • Kreativität der Mitarbeiter wird genutzt
  • Motivation wird gesteigert

Vorgehen

Generell folgt das Steuern über Zielvereinbarungen immer dem gleichen Prozess. Aus strategischen oder allgemeinen Unternehmenszielen werden individuelle Ziele abgeleitet. Diese werden mit dem Mitarbeiter in regelmäßigen Abständen (quartalsweise bis jährlich) vereinbart und in der Folgeperiode versucht vom Mitarbeiter umzusetzen. Im Folgegespräch wird die Zielerreichung überprüft und entsprechende Maßnahmen (in der Regel die Festlegung der Auszahlung variabler Gehaltsbestandteile) ergriffen.

Hindernisse

Trotz des überschaubaren Komplexitätsgrades des Prozesses verfehlen MbOs häufig ihr Ziel. Die Gründe hierfür sind vielfältig. In gängigen Betrachtungen werden im wesentlichen zwei Gründe hierfür benannt. Zum einen das Fehlen strategischer Vorgaben, so dass keine schlüssige und übergreifende (in Bezug auf Organisationseinheiten und Mitarbeiter) Zielableitungen möglich sind. Zum anderen die unzureichende Zielformulierung. Ziele sind nicht SMART (Specific, Measurable, Attainable, Realistic, Timed). Bei dieser Betrachtung wird allerdings ein wesentlicher Grund für die Unwirksamkeit von MbOs übersehen. Die Ausgestaltung des Anreizsystems muss ausreichen, um eine Verhaltensänderung herbei zu führen. Wäre eine Verhaltensanpassung nicht notwendig, wäre grundsätzlich auch kein Steuerungs- und damit kein Zielsystem mit MbOs notwendig. Das System muss also anreizkompatibel sein.

Anreizkompatibilität

Theoretisch wird die Gestaltung von Anreizsystemen mit Hilfe der Principle-Agent-Theorie beschrieben. Literatur zu diesem Thema gibt es reichlich, als Beispiel sei nur Ray Rees, einer der Begründer der Principal-Agent-Theorie und nebenbei der Doktorvater des Autors genannt:

  • Rees, R., 1985. The Theory of Principal and Agent—Part I. Bulletin of Economic Research37(1), 3-26
  • Rees, R., 1985. The Theory of Principal and Agent—Part II.Bulletin of Economic Research37(2), 75-97

Im nächsten Beitrag wird die praktische Anwendung der Principal-Agent-Theorie  dargestellt. Es werden Mechanismen aufgezeigt, die die gewünschte Verhaltensveränderung in Richtung von mehr Motivation, Kreativität und Abstimmung auf die Unternehmensziele unterstützen. Gleichzeitig werden typische Hemmnisse und passende Gegenmittel diskutiert.

So Stay Tuned!

 

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