Kennzahlensysteme und komplexe Entscheidungsprozesse

Entscheidungen

Entscheidungen prägen unser Leben.

Von morgens bis abends müssen wir stets zwischen unterschiedlichen Varianten wählen. Das trifft nicht nur für den beruflichen Teil zu, sondern ist in allen Bereichen unseres Lebens präsent. So ist morgens beispielsweise das Regenrisiko einzuschätzen und damit zu entscheiden, ob ein Regenschirm mitzunehmen oder entsprechende Kleidung zu wählen ist. Tagsüber sind im Berufsalltag eine Reihe weiterer Entscheidungen zu treffen. Etwa, ob man lieber den technisch versierten, aber unerfahrenen Berufsanfänger oder den fachlich schwachen, aber mit guten Kontakten ausgestatteten Bewerber wählen soll. Und abends stellt sich die Frage, ob man den Tag in der hippen Bar mit der netten Bedienung und den dünnen Cocktails oder doch in der urigen Kneipe ums Eck beschließen soll.

Präferenzen und Wahrscheinlichkeiten

Selbst relativ einfache Entscheidungen, wie die mit dem Regenschirm, hängen von einer Reihe von Parametern ab. So ist hier die Einschätzung über die Regenwahrscheinlichkeit und deren Verteilung über den Tag zu berücksichtigen. Sicher spielt auch eine Rolle, was man an diesem Tag vor hat und wie sehr ein Regenschirm stört, beziehungsweise welcher Schaden entsteht, wenn es doch regnet und kein Schirm zur Hand ist. Die konkrete Entscheidung wird am Ende aus einer Kombination aus individuellen Präferenzen (mir ist es lieber ein wenig nass zu werden, als den ganzen Tag den Schirm mit mir rum zu schleppen) und den Einschätzungen über Regenwahrscheinlicheit und zu erwartenden Niederschlagsmengen getroffen.

Regen-BSC

Regen-BSC

Genauso verhält es sich bei der Auswahl des richtigen Bewerbers. Abseits der Fragestellung, ob man das Team überhaupt verstärken will, stellt sich die Frage, ob eher fachliche Kompetenz als Teil der Wertschöpfung oder Kontakte und damit mögliche Geschäfte stärker im Fokus stehen. Neben diesen chancenorientierten Punkten spielt natürlich auch das avisierte Gehaltsniveau und die zu erwartenden Deckungsbeiträge eine Rolle. Aber nicht nur monetäre Punkte sind zu berücksichtigen. Sicher sind auch die Themen Sympathie oder Integrationsfähigkeit wichtig.

Bei der Frage, welche Lokation für den Abend die richtige wäre, können Punkte wie die Erreichbarkeit, das Preisniveau, das Ambiente, die Freundlichkeit des Personals oder die Auswahl und Qualität der Getränke und Speisen eine Rolle spielen.

Entscheidungsfindung

In all diesen Situationen stellt sich die Frage, wie man die richtige Variante findet. Bei der Frage über die Mitnahme eines Regenschirms mag eine falsche Wahl noch wenig Auswirkung haben, aber bei der Auswahl eines Mitarbeiters sind die Folgen deutlich gewichtiger. Um Entscheidungen nicht nur aus dem Bauch zu treffen, braucht man ein Verfahren, das alle relevanten Parameter berücksichtigt und gemäß ihrer Wichtigkeit mit einbezieht. Idealerweise erhält man hieraus für jede zu betrachtende Alternative einen Indexwert, der den direkten Vergleich erlaubt und so die Entscheidungsfindung stützt. In der Regel verwendet man hierfür einen Mechanismus, der die verschiedenen Aspekte berücksichtigt und gemäß den persönlichen oder situationsbedingten Präferenzen gewichtet.

Auf Unternehmensebene ist dieses Verfahren als Balanced Score Card (das gleichzeitig auch ein Modell zur Strategieableitung beinhaltet, das hier aber nicht weiter diskutiert wird) bekannt geworden. Als Begründer gelten hier Kaplan und Norton, die die strategische Entscheidungsfindung in vier Perspektiven (Finanzen, Kunden, Interne Geschäftsprozesse, Lernen & Wachstum) eingeteilt haben. Das Verfahren an sich ist generell bekannt und lässt sich auf alle komplexen Sachverhalte anwenden und so die Entscheidungsfindung systematischer und rationaler gestalten. Ziel ist es, den Aufwand der Entscheidungsfindung bei gleichzeitig höherer Erfolgswahrscheinlichkeit für die richtige Variante zu reduzieren. Grundsätzlich ist diese Methode auf alle Fragestellungen anwendbar, in der unterschiedliche Parameter aufgrund verschiedener Sachverhalte gewichtet Einfluss nehmen sollen oder können.

Beispiel Entscheidungsfindung LBI (LINJAL Bar Index)

Griffiger werden solche Modelle durch einfache, alltagstaugliche Beispiele. Deshalb wird im nächsten Beitrag ein systematisches Fundament für die Abendgestaltung gelegt. Mit Hilfe des LBI (LINJAL Bar Index) wird gezeigt, wie trotz unterschiedlicher Präferenzen in Bezug auf Ambiente und Getränkeauswahl die richtige Barauswahl getroffen werden kann.

 

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Ein Kommentar zu Kennzahlensysteme und komplexe Entscheidungsprozesse

  1. Tomas Hausner sagt:

    Ich finde Deine Beispiele sehr gut und auch für Menschen mit etwas niedrigerem Abstraktionsvermoegen gut verständlich – down-to-earth. Bitte noch mehr so, auch zu balanced scorecards…

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